Jurybegründungen -Kategorie Interreligiöser Dialog

Prof. Dr. Valentin hat es geschafft, Brücken zu bauen. Brücken, die zu gegenseitigem Verständnis im interreligiösen Dialog geführt haben. Er hat sich nicht gescheut, auch in unangenehmen Kontexten den Dialog zu suchen und zu vermitteln – nicht nur zwischen unterschiedlichen Glaubensrichtungen, Weltanschauungen und Meinungen, sondern auch zwischen Menschen. Dank seines unermüdlichen Engagements, das durch die zahlreichen Veranstaltungen am Haus am Dom belegt ist, haben Menschen die Möglichkeit erhalten, das „Andere“ und vor allem die „Anderen“ kennen zu lernen, um zu merken, dass das Fremde doch gar nicht so fremd ist, wie es scheint.

Das Haus am Dom ist Dank seiner Führung zu einem Ort der Begegnung geworden. Ein Haus, unter dessen Dach sich Menschen, die sich dem Dialog gewidmet haben, stets willkommen und auch zuhause fühlen.

Laudatio für Prof. Dr. Joachim Valentin

Laudatio für Prof. Dr. Joachim Valentin anlässlich der Verleihung des Deutschen Dialogpreises am 15.11.2019 in der Evangelischen Akademie Frankfurt.

 

Anrede …
Heute als evangelische Pfarrerin in einem evangelischen Haus anlässlich einer Preisverleihung durch eine islamisch geprägte Institution die Laudatio für einen so profilierten und engagierten katholischen Theologen zu halten, ist für mich nach wie vor etwas Besonderes.

Es ist lebendiges Zeichen dafür, wie sich die Beziehungen zwischen den christlichen Konfessionen wie auch der Dialog zwischen den Religionsgemeinschaften in den letzten Jahrzehnten entwickelt haben. Das verdanken wir vor allem Menschen wie Joachim Valentin!

Denn es führen nicht Religionen den Dialog, sondern Menschen. Dialogmenschen will ich sie nennen. Es sind Menschen, die den Dialog nicht nur als Beruf sondern als Berufung und Ausdruck einer Haltung verstehen, die jeder Person mit Respekt und Offenheit entgegentritt – jenseits von Glauben und Weltanschauung.

Wenn sich diese menschenfreundliche Haltung mit so viel intellektueller Klugheit und Scharfsinn verbindet, wie bei Joachim Valentin, so kann man nur von einem Glücksfall sprechen, dass er 2005 Gründungsdirektor des Hauses am Dom wurde. Er hat diesen Ort nicht nur zu einem Ort des städtischen Diskurses zu gesellschaftspolitischen Fragen gemacht, sondern eben auch zu einem der Orte des interreligiösen Dialogs in Frankfurt. Als 2009 die zwei katholischen Plätze im Frankfurter Rat der Religionen zu besetzen waren, hatte sich der Initiativkreis, dem ich angehörte, eigentlich neben dem katholischen Stadtdekan eine/n Vertreter/in einer katholischen Migrationsgemeinde gewünscht. Es ist der katholischen Hierarchie wie der Weitsicht und besonderen Weisheit des damaligen Limburger Bischofs zu verdanken, dass stattdessen Joachim Valentin benannt wurde und damit als Gründungsmitglied in den Rat einzog!

Einige Jahre später sollte er den offenen Konflikt mit eben diesem Bischof, damals in zahlreiche Skandale verwickelt, nicht scheuen. Ich erinnere mich gut daran, wie er und Stadtdekan zu Eltz in schonungsloser Offenheit ihre Kritik im Rat der Religionen darlegten und dafür einige Risiken in Kauf nahmen. Wer Joachim Valentin daraufhin Illoyalität vorwarf, hat nicht verstanden, dass er diese Kritik gerade als ein durch und durch gläubiger Katholik und als loyales Mitglied seiner Kirche formulierte! Loyalität auf Kosten der Wahrheit oder zum Verdecken von Machtmissbrauch beschädigt letztendlich das, was man doch zu verteidigen vorgibt. In diesem Sinne scheut Joachim Valentin keine noch so harte Auseinandersetzung innerhalb oder außerhalb seiner Institution – weder im direkten Gespräch noch auf digitalen Wegen. Seine über 3797 Facebookfreunde können dies täglich nachlesen.

Selbstkritik und Kritik gehören im Dialog zusammen – es ist die Basis dafür, im Konfliktfall auch füreinander einstehen zu können. Als Vorsitzender des Rates der Religionen tut Joachim Valentin mit anderen immer wieder genau das:

Gegen Antisemitismus, antimuslimischen Rassismus und Menschenfeindlichkeit wie auch religiös begründeten Extremismus einzutreten. Für eine Stadtgesellschaft, in der sich alle wertgeschätzt fühlen und der so wichtige soziale Zusammenhalt gestärkt wird.

Und bei allem intellektuellen Diskurs ist der Genuss um einen Tisch beim gemeinsamen Essen nicht zu vergessen, der den Dialog, wie Joachim Valentin ihn versteht, eben auch auszeichnet. So ist das Haus am Dom auch ein Ort der Gastfreundschaft geworden, in dem sich die vielen verschiedenen zuhause fühlen können. In Joachim Valentin haben sie den besten Gastgeber und Freund, den man sich wünschen kann. Dafür sei ihm heute besonders gedankt!

Ilona Klemens, Generalsekretärin des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (Laudatio: Prof. Dr. Joachim Valentin)